Von Wolgograd über Kiew bis Ligne/Ukraine


Der Titel könnte den Eindruck entstehen lassen, meine Rundreise durch Russland wäre jetzt schon zu Ende. Das ist bei weitem nicht der Fall. Die Rückfahrt dauerte ja immerhin noch eine Woche, war im Grunde eine Strecke, die Reisende, welche anderen Prioritäten gesetzt hätten, mehr als genug geboten hätte. Meine Priorität war, das Land neben die Wolga von der Quelle in den Waldai Höhen südlich von St. Petersburg bis zur Mündung ins Kaspische Meer zu befahren. Das ist mir gelungen. Darüber bin ich froh.  

"Wenn jemand eine Reise tut, dann kann er was zu erleben."


Dieses abgedroschene, aber wahre Sprichwort hat deshalb seine Gültigkeit und Aussagekraft behalten, weil es das Unbestimmbare, das sich spontan Ergebende, nicht Planbare meint. Das Unbekannte ist es, was den Reiz einer Reise wie der, von der auf diesen Seiten die Rede ist, ausmacht. Das habe ich schon als Kind gemocht und nur so ist zu erklären,warum ich - und meine Freunde- bevorzugt in dunklen Höhlen herum krochen. Es unterscheiden sich diese Art des Reisens nicht so sehr von denen früherer Zeiten, wenn sich auch die Welt verändert hat. Man fährt heute nicht mehr in Postkutschen. Aber auch mit dem Auto kann alles ganz schön aufregend sein, weil man sich in "die Klauen einer Technik" begeben hat, die es früher nicht gab und die man, wenn sie versagt, selbst nicht in Ordnung bringen kann. Die Postkutsche konnte mit Bordmitteln repariert werden, beim Auto hört das Reparieren beim Radwechsel auf. Die Herausforderungen haben sich nur verschoben, die Spannung einer solchen Reise aber nicht! Auch die Menschen scheinen sich zu ähneln, die eine solche Reise antreten, um das Vertraute für eine gewisse Zeit ganz anders als "üblich" hinter sich zu lassen. Dann, nach erfolgreicher Rückkehr mit vollgepackten Kopf durch ganz neue, unerwartete Erlebnisse taucht der Individual und Solo Reisende wieder ein in den vertrauten "Alltag", um dann in Ruhe und mit Abstand die Reise Eindrücke aufzuarbeiten. Das ist dann der längste Teil der Reise und steht im Zeitaufwand der "Feldforschung" unterwegs nicht nach! 

Für Interessierte: Ich habe Mitte Juli 2017 eine Zeitungs- Kolume geschrieben mit dem Titel:


Titel: "Abseits der großen Straßen"


die sie auf jeder Seite meiner Homepage (rechts mit roter Überschrift) befindet.

Die Kolume erschien in der Leine Deister Zeitung Gronau/Leine am 19. Juli 2017.  

http://https://www.leinetal24.de/zeitung/

Ich erhielt viele Anrufe dazu und das unterstreicht, wie groß das Interesse der Menschen generell am Reisen ist und sei es auch nur im "Kleinen", dem Reisen abseits der großen Straßen. Das darüber nachgedacht wurde, um auch hinter dem Ortsrand die versteckten Perlen der Landschaft aufzuspüren und sich daran zu erfreuen, beabsichtigte ich und das ist mir gelungen. 

Wobei ich das Reisen "auf dem Liegestuhl ebenso schätze", dass will ich nicht verschweigen. Doch ist dies etwas anderes und ganz früher, während meiner Tätigkeit als Selbständiger, war diese Art zu reisen in erster Linie zwingend notwendiges Ausspannen und Erholen.  

Doch genug der langen "Redereien." Nun geht es weiter durch Landschaften und Städte, die wieder ganz anders auf mich wirkten als die, die ich zuvor bereist hatte. Ich lade ich Sie  ein, mir auf diesem Weg bequem vom Sessel aus zu folgen und vielleicht bei der einen oder anderen Textstelle zu verweilen und manches Foto mit den zuhause herrschenden Gegebenheiten zu vergleichen. 

Erinnern Sie sich an die Stelle auf der Seite 4 dieser Homepage, bei der ich die Reiseführer etwas abwertend so beurteilte, dass vieles dort Geschriebene geschönt und übertrieben ist? 

Die Fahrt von Wolgograd Richtung Nordnordwest nach Borissoglebsk, einer rund 500 km entfernten Stadt, in der ich das einzige am Ort befindliche Hotel vorgebucht hatte, verlief genauso langweilig, wie es meine "Übernachtungsstadt" auch war. Fade, endlose Getreidefelder säumten die Straße rechts und links über hunderte Kilometer, nur gelegentlich von riesigen Flächen gelb blühenden Rapses unterbrochen. Ein Glück, dass diese öde, leicht wellige Getreide Steppe, neben den Rapsfeldern immer wieder durch Baumgruppen oder Gebüsche aufgelockert wurde. Sonst hätte ich Mühe gehabt, die Augen am Steuer offen zu halten. 

So, wie die Landschaft und die Stadt, war auch das Hotel: Tiefste Provinz und noch mit dem "Charme" kommunistischer Vergangenheit behaftet. Vorne Hui - hinten nicht grade Pfui, aber beim Betreten des Zimmers lag auf dem Fußboden ein Stück Käse und ob die Betten jemals nach der Benutzung durch einen Gast abgezogen worden sind, bleibt der Spekulation vorbehalten. Ich untersuchte das Bettzeug, fand aber weder Knöpfe noch Reißverschlüsse. Dann wurde wohl alles zusammen in der Waschmaschine versenkt, tröstete ich mich und holte mein 

Mit diesen beiden Fotos sind die Attraktionen der Stadt erschöpft. Ruhe, Rückständigkeit, tiefste Provinzialität und noch ein Hauch der vergangenen Sowjetunion prägen die Stadt und man spürt es auch. Umständlich, bürokratisch, engstirnig.

eigenes Bettzeug aus dem Auto, das ich vorsichtshalber mitgebracht hatte. In dieser Stadt benutzte ich es das erste und auch das letzte Mal während meiner Reise, denn in der Regel waren die Hotels erstklassig und ließen nichts zu wünschen übrig. Ich behaupte sogar, viele Hotels bei uns können sich dort etwas absehen... 

Doch eines muss ich dem Hotel lassen: Hier bekam ich das beste Frühstück meiner gesamten Reise. Unglaublich, wer das alles essen sollte, denn dass das Hotel gut belegt war, konnte ich nicht beobachten.  Die Köchin nahm mich meiner an und zum ersten Mal aß ich "Kascha" das russische Nationalgericht. Die Köchin war schuld und ich bin froh, dass es diese Köchin gab, den "Ihr Kascha" war wirklich eine Delikatesse. 

Ludmila, Fremdsprachen Lehrerin am Gymnasium Jaroslvl und stellvertretende Schulleiterin, eine fantastische Reisebegleiterin per Telefon, wann immer ich Hilfe benötigte, nahm sie die Sache auch hier im Hotel in die Hand. Prompt klappte alles!

Warum mich die Köchin unter ihre Obhut nahm kann ich nur vermuten, doch ist diese Vermutung nicht an den Haaren herangezogen. Die Geschehnisse in und um das Hotel sind noch nicht zu Ende erzählt. Mein ferner, blonder Engel - Ludmila - weit weg im Norden der russischen Stadt Jaroslavl, - erinnern Sie sich noch? Meine unermüdliche Fremdsprachen Lehrerin und "Fremdenführerin? - hatte sogar über tausende Kilometer hinweg ihren Einfluss geltend gemacht, nachdem ich ihr einige Dinge erzählt hatte, die in dem Hotel nicht nur komisch, sondern ärgerlich waren. Dazu gehörte auch das Stück Käse auf dem Fußboden. Davon später mehr. 

Doch zuerst einige Fotos von meiner Fahrt durchs westliche Russland und durch die Ukraine. Jeden Tag einige Fotos, weil es ziemlich aufwendig ist, die richtige Auswahl zu treffen um das Land möglichst ich weit gestreut abzubilden. Es kann also geschehen, dass einige Fotos verschwinden zugunsten anderer, weil ich plötzlich feststelle, dass ein anderes Bild das bessere Bild abgibt.

Die erste Tabelle ist so geordnet, dass oben einige Bilder des Landlebens zu sehen sind, dann folgen kirchliche Bauten und dann nochmal das Landleben im Kontrast zu den Städten.

Ganz unten habe ich mich auf einen Markt in Ligne konzentriert.

Dies Straßenschild deswegen, weil hier gut nachzuvollziehen ist, wo die kyrillische Schrift von der von uns gebrauchten abweicht.


Nachbarinnen beim "Schnattern."


Selten, aber es kommt vor: Ein Holzneubau.


Vielzwecktrecker: Wrack und Hühnerstall.


Überall blühen diese Blumen und verbreiten eine heitere Grundstimmung in den kleinen Dörfern.


Wunderschöne Kirchen tauchten immer wieder auf. Irgendwo, ich weiß nicht wo und oftmals konnte ich auch des Verkehrs wegen nicht anhalten,





Ich habe mehrfach gesehen, dass die Heuböden oder Heuschuppen auch zum Schlafen benutzt wurden.





Landleben. Die Kuh wurde an die Leitplanke der Autobahn angebunden. Eine ganz bescheidene, aber sehr freundliche Frau, die ich beim Melken überraschte. Sie sprach einge Worte Deutsch und ihr gefiel es sichtlich, mit mir am Rande der Straße einen kleinen Plausch zu halten..


Der Unterschied zwischen Stadt und Land ist auch in der Ukraine enorm. Hier das Innere zu meinem Hotel.



Mein Hotel und das Opernhaus im Vordergrund


Der Markt in Ligne hatte es mir angetan. 

Das Angebot war riesig. Die Länge des Marktes ohne die Seitenstraßen, betrug ungefähr 800 Meter. So klickte mein Fotoapparat unaufhörlich. 

Dumm nur, dass ich nichts kaufen konnte. Meine zuviel getauschten Rubel wollten die Ukrainer nicht. So blieb ich auf den Rubel sitzen und mir blieb statt der vielen angeboten Blau- und Erdbeeren nur der optische Genuss und der allein war es wert, mich vom Marktgeschehen so lange einfangen zu lassen, bis mich - wieder einmal - die Hitze der Sonne vertrieb. 

Diese süßen Früchte! Und ich kein Geld in der Tasche!!

 

Wenn nichts gekauft wird, ist dies die beste Beschäftigung.




So, wie bei uns. Sie unterhalten sich über das Handy...



Und auch das gehört zu einem lebendigen Markt! Das fand ich sehr erfrischend. Straßenmusikanten mit Niveau.