Hier finden Sie Weihnachtliches meiner Autorenfreunde - und weihnachtliches auch von mir.

 

Das Rössinger Schloss an einem klirrend kalten 1. Weihnachtsfeiertag


Liebe Leserinnen- und Leser dieser Zeilen,

 

Verschiedene mit mir befreundete Autorinnen und Autoren hoffen, Sie mit ihren Werken in dieser besinnlichen - und gleichzeitig hektischen! Zeit - zu erfreuen und vielleicht können Sie das eine oder andere dieser Werke sogar Ihren Lieben am Heiligen Abend vorlesen. Weihnachten ist die Zeit des Vorlesens und wenn nicht zu Weihnachten vorgelesen wird, wann dann?

Versuchen Sie es mal - sie werden bemerken, wie still und aufmerksam alles um Sie herum werden wird, und wie man an Ihrem Munde hängt. Und glauben Sie mir, den Kindern können Sie das ganze Jahr vorlesen - dafür sind sie sogar bereit, auf Handy oder Fernseher zu verzichten. Meine Kinder haben mir das bewiesen und meine vier Enkel auch. Auch Ihnen wird es so ergehen, bestimmt sogar! 

 

Ich wünsche Ihnen, liebe Leserinnen- und Leser meiner Webseite, eine wunderschöne Adventszeit und ein geruhsames Fest. Vielleicht haben Sie die Möglichkeit, jeden zweiten Mittwoch bei der Leine Deister Zeitung meine Kolumnen zu lesen. Wenn ja, auch dort weiterhin viel Spaß beim Lesen.

Herzlich Ihr

 

Wolfgang Nieschalk


 

Den Anfang dieser Weihnachtsseite macht Ursula Kühn, meine Autorenfreundin aus Weetzen mit einem humorigen Gedicht:

 

                                 

Eine Veranstaltung der ev. Kirche in Nordstemmen, bei der das Krippenspiel schon seit Jahren in moderner Form der Öffentlichkeit mit viel Musik und Lichteffekten aufgeführt wird. Die Kinder treten zwei mal am Heiligen Abend auf und die Kirche ist bei jeder der Vorstellungen übervoll.

 

                                                  

           Die unerbittliche Waage

                                               

 

Der Mensch, im Jahresablauf mäßig, wird - wenn er Roastbeef sieht - gefräßig.

              Der Mensch, im Jahresablauf mäßig,

wird, wenn das Fest naht, gern gefräßig.

Mit ständig steigender Tendenz

verschreibt er sich der Opulenz,

genehmigt sich, was der Verstand

erst kürzlich mahnend unterband.

 

 

Er lässt drum zu den Weihnachtstagen

sich eine Gans nach Hause tragen,

die wohl geraten und per Soße

serviert mit einem heißen Kloße,

vom Rotkraut liebevoll begleitet,

des Menschen Herz und Seele weitet -

Ursula Kühn aus Weetzen ist bekannt für ihre Limericks und tiefsinnigen, aber immer mit einem Schuss wohltuender Ironie und Humor gewürzten Gedichte und Kurzgeschichten. Viele Jahre schrieb sie für eine große deutsche Tageszeitung Limericks und Gedichte. Doch Ursula Kühn noch vielseitiger. Sie verzaubert ihre Hörer mit Klavierstücken fremder Komponisten und noch stärker zieht sie ihre Hörer in den Bann, wenn ihre eigenen Kompositionen den Raum erfüllen. Man muss die Musik gehört haben, dann weiß man, was ich meine. Und, sie ist stark beschäftigt durch ihre Mitgliedschaft in einem Hannoverschen Chor.

nur leider auch des Leibes Fülle -

das zeigt die Waage, denn der Wille

zum Fasten bleibt stets blankes Wollen

beim Duft von Marzipan und Stollen.

 

 

Die Völlerei ist ihm Genuss,

wohl wissend, dass der Überfluss

im nächsten Jahr sein Opfer fordert,

indem er Quark und Müsli ordert,

bis sich die Weihnachtstage nah’n,

da fängt es dann von vorne an...

 

 

 

interne Webseite               Ursula Kühn  

 

http://www.calenberger-autorenkreis.de/Wir-Autoren/Ursula-Kuehn/

  

 

 

 

 

  

 

 

 

Das folgende Gedicht stammt von meinem Autorenfreund Wilhelm Stenzel aus Barsinghausen Wilhelm Stenzel

http://www.calenberger-autorenkreis.de/Wir-Autoren/Wilhelm-Stenzel/  

                                                               2. Advent (es weihnachtet)

Dieser Adventskranz hat Tradition in meinem Haus. Auch dieses Jahr ziert er wieder meine Terasse

 

Es ist spät im Jahr. Ein eisiger Wind, aus Norden kommend, treibt hohe Wolkenberge heran. Unter das Rotwelsch der sich streitenden Winde mischt sich des Jahres gärende Schwermut...

 

Wilhelm Stenzel aus Barsinghausen hat einen überreichlichen Schatz an Gedichten und Kurzgeschichten verfasst und mehrere Bücher herausgegeben. Er ist der Senior unserer Autorengruppe und ist mit 89 Jahren rührig wie seit eh und je. Kein Thema, zu dem er sich nicht lyrisch oder prosaisch zu äußern wagt.

Schnee liegt in der Luft. Langgezogene Laute erklingen, in unterschiedlichen Abständen tauchen sie auf und verschwinden wieder. Zuerst ist es nur ein Geschehen, das über ein Flüstern nicht hinaus geht. Trotzdem folgt ein Echo dem anderen. Im Gefolge der immer dunkler werdenden Wolken streifen große Schatten über die Erde, zeichnen schlingernde Gestalten, eisige Figuren auf die Straßen der Stadt, auf die Wege der Flur.

 

Die Enge der Stadt, die Weite der Landschaft, scheint sich diesem Treiben zu widersetzen. In Wirklichkeit jedoch ist in diesem Geschehen etwas weit Vorauseilendes, etwas, das aus den vergangenen Jahrhunderten kommt, allen Prophezeiungen zuwider sich erhalten hat. Es ist wie in unseren Kindertagen. Dinge – an die wir glauben, begleiten uns, andere – die uns verlassen haben, kehren zurück.

 

 

Oh Melancholie, es weihnachtet,

wieder einmal, wie schon seit tausenden von Jahren,

wallt über die ausgetretenen Stufen der Geschichte,

                                                         der Weihrauch geschwängerte Hauch des Orients:

                                                         Vorwärts stürmend, rückwärts wandernd....

                                                              Und wieder einmal erscheinen wortgewaltige Bilder,

                                                          ertönen wonnetrunkene Laute.

 

Alle berichten von einem aufgehenden Stern, von einem Kind, in einer armseligen Hütte.

Oh, Melancholie!

Und so wie damals von Mund zu Mund weitergegeben, so erscheinen heute ferngesteuerte Bilder, berichten von Legenden und zeichnen nach, was von der damaligen Zeit nur in Briefen überliefert wurde.

Und heute wie damals lauschen die Menschen, verharren und beten.

Und wieder einmal, wie seit tausenden von Jahren übermannt sie:

„Das Wunder einer Geburt“

 

 

Ein Foto, aufgenommen während der oben schon erwähnten Krippenspiel Aufführung in Nordstemmen.

 

 

 

 

Ganz rechts auf dieser Seite- der lange schmale Text und ganz oben als die "Kleiue Geschichte" bezeichnet, ist mein 1. literarisches Werk überhaupt.

Ich schrieb die Geschichte vor 12 Jahren, habe sie später bei den verschiedensten Adventsveranstaltungen zusammen mit anderen neu entstandenen Geschichten vorgetragen und erkannt, dass ich den Menschen damit offenbar eine kleine Freude bereitete.

Seitdem hat mich das Schreiben nicht mehr los gelassen, und  jedes Jahr sind - neben meinen sonstigen Kolumnen für die "Leine Deister Zeitung - LDZ" - mindestens  zwei Weihnachtsgeschichten dazu gekommen.

 

 

 

Alle Jahre wieder...

 

Wenn auch die Welt im wesentlichen von den Frauen beherrscht wird und alle Lebensbereiche durchdringt, so gibt es einen Monat im Jahr - den Dezember -  in dem der Mann sich noch voll entfalten kann. Genauer gesagt: Das Aufstellen des Weihnachtsbaumes ist noch fest in männlicher Hand!

Oder haben Sie schon mal eine Frau aus Fleisch und Blut gesehen, die in einer Hand eine Säge hält, in der anderen einen Christbaumständer, unter einen Arm eine Axt geklemmt hat und lautstark verkündet: „Ich stelle jetzt den Tannenbaum auf!“

Ich noch nie und bin damit nicht allein! Millionen von Vätern und Großvätern verbindet Jahr für Jahr zur gleichen Zeit das gleiche Schicksal: Sie stellen den Weihnachtsbaum auf. Das ist Männersache, sagt „sie“. „Das war schon immer so,“ denkt „sie“ beim Sagen und hofft, das es so bleibt. Der Nadeln wegen und der Unbequemlichkeit, die so ein „roher, unbehandelter Baum“ mit sich bringt. Und im übrigen: „Er“ kann doch auch was machen, oder?“

Eigentlich beginnt das Aufstellen des Baumes schon beim Kauf des künftigen Prachtstückes. Wie groß muß er sein? Soll er was hermachen, der grüne Gast in der Weihnachtsstube? Er darf alles sein, aber nicht einfach nur Nadelbaum! Was soll der Besuch bloß denken, wenn ihm eine gewöhnliche Fichte als wohlgeratener Prachtkerl vorgezeigt würde! Nordmanntanne ist das Mindeste. Ich kaufe das Mindeste.

Noch wichtiger als die Tanne, ist der Christbaumständer. Vor zwei Jahren probierte ich einen High-Tech Ständer mit Wasserbehälter aus. Unser Weihnachtsstolz sollte nicht dursten, während wir die edleren Tropfen verkosten wollten.

„Der Baum säuft ja wie ne Kuh,“ rief ich in Richtung Küche und füllte den Behälter zum 4. Mal  nach. „Jetzt weiß ich, warum seine Vorgänger nach 5 Tagen nadelten.“ „Und ich sehe, das der Ständer ein Loch hat“ rief meine Frau aufgebracht. Das Wasser läuft in das Parkett und zieht schon in den Tapeten hoch“!

Das Chaos brach aus. „Schnell, einen Eimer mit Scheuertuch, wo ist er?“ rief ich. „Da,“ sagte sie, wobei mir unklar blieb, wo „da“ sein sollte. Sie holte ihn selbst. Elektrische Haartrockner – zweckentfremdet zum Holztrockner – „überschrillten“ weihnachtliche Musik. Wir lagen auf den Knien im Wasser, und wischten und wrangen aus – und dann traf meine Frau der Schlag. Strom, Wasser und Tischsteckdose passen eben nicht zusammen. Es roch nach verschmortem Fleisch. Ich grinste unpassend. Sie schrie, „was es da wohl zu grinsen gäbe“ und wie zur Strafe fiel der Strom aus. Die Haartrockner verstummten.

Dann kümmerten wir uns um ihre Brandwunde. Wäre der Strom nur überall ausgefallen! Wieder roch es nach verbranntem Fleisch. „Um Himmelswillen, die Gans im Backofen brennt“ rief sie, bevor sie unweihnachtliche Flüche ausstieß.

Das alles liegt 2 Jahre zurück und ich habe aus den damaligen Fehlern gelernt. Ich bin zum primitiven Holzständer zurückgekehrt. Der Baum steht schief, doch ich habe vorgesorgt. Die Nägel des vergangenen Jahres stecken noch in der Wand, getarnt durch ein Gemälde. Die Bindfäden sind auch noch da. Sie werden mit Lametta behängt, wenn sie den Baum „in Form“ gezogen haben.

Wunderbare Stille breitet sich aus...

Es ist geschafft. Mannhaft gerade steht er vor mir. Welch ein Prachtstück! Ich wische mir den Schweiß aus dem Gesicht, das klebrige Baumharz in die saubere Hose und schüttele mir die Nadeln aus dem Haar.

Draußen ist es dämmrig geworden. Feiner Schnee sinkt auf den Rasen nieder und aus der Küche duftet es nach Gänsebraten. Ich entspanne mich. Herrliche Ruhe dieses Jahr. Wundervoll friedliche Stimmung breitet sich aus.

 

"Gesegnete Weihnachten!" 

 

 

 

  

2016-12

Karla Kühn            interne Webseite          Karla Kühn                                      http://www.calenberger-autorenkreis.de/Wir-Autoren/Karla-Kuehn/

Eine schöne Bescherung

 

Karla Kühn aus Linderte ist eine außerordentlich engagierte Schreiberin von Prosatexten. Sie ist überwiegend für den Calenberger Autorenkreis aktiv. Ihre Spezialität sind Erzählungen aus Beobachtungen, die sie in ihrem persönlichen Umfeld aufzeichnet und literarisch verwertet. Darüberhinaus hat Karla Kühn einige Vorträge über Schriftsteller der Weltliteratur entwickelt und trägt diese auf den verschiedensten Foren mit immer großem Erfolg vor. Zur Seite steht ihr oft - aber nicht immer - ihr sehr engagierte Mann, der sich selbst als Maler einen regionalen Namen gemacht hat.

Die Arme vor dem Körper verschränkt, stand Inge am Fenster und blickte in das Grau  des Dezemberabends. Gerd machte sicher noch ein paar Besorgungen. Ihre Gedanken trugen sie zurück zu einem Weihnachtsfest vor vielen Jahren, als die Eltern noch lebten und die Söhne noch klein waren.

Damals war, wie in diesem Jahr, das Weihnachtsfest viel zu schnell heran gerückt.

Inge erinnerte sich, dass sie damals völlig genervt nach einem anstrengenden Arbeitstag nach Hause gekommen war, die Einkäufe in die Ecke warf, und sich als Erstes im Wohnzimmer zu schaffen machen musste. Gerd hatte die Fichte aufgestellt. Die Söhne spielten im Kinderzimmer.

Sie erschrak heftig, als es klingelte. Beide Großelternpaare standen freudig erregt an der Haustür. Viel zu früh waren sie erschienen. Kurz darauf ein erneutes Klingeln. Inges jüngere Schwester und ihr Lebenskamerad meldeten sich gut gestimmt an: „Hallihallo, gesegnete und fröhliche Weihnacht. Ihr staunt, die Bahn war pünktlich wie noch in keinem Jahr. Wir sind da und das Fest kann beginnen.“

Konnte es noch nicht, denn nichts war fertig, Inge und Gerd hatten noch zu viele Vorbereitungen zu treffen.

Gerd half den Angekommenen aus den dicken Mänteln. Mit einem verlegenen Lächeln schob er die ganze Sippe in die kleine gemütliche Küche. „Bitte nehmt Platz, wir brauchen noch ein wenig Zeit.“ Er stellte den heißen Kakao für die Söhne auf den Tisch, mit einem Blick in Richtung der drei Männer eine Flasche Cognac dazu die passenden Gläser, für die Damen eine gekühlte Flasche Rotkäppchensekt. „Vielleicht spielt ihr eine Runde: Mensch ärgere dich nicht.“ „ Felix hol schon mal das Spiel aus dem Schrank.“

Er verschwand und nach ca. einer Stunde bat er die Familie zur Bescherung ins Wohnzimmer zu kommen.

Der Genuss einiger alkoholischen Getränke hatte die Familienmitglieder fröhlich gestimmt und sie nahmen die Aufforderung gut gelaunt entgegen. Gerd entschuldigte sich mit den Worten, er müsse aus dem Keller die selbst eingelegten Gewürzgurken heraufholen.

Stille Nacht, heilige Nacht...

An der vom Boden bis zur Decke reichende Fichte hingen bunte glänzende Glaskugeln, das silberne Lametta, gesendet von Tante Erika, hing schwer Faden an Faden am Baum, die Kerzen flackerten hell und aus dem Kassettenrecorder erklangen die Stimmen des herrlichen Thomanerchores: „Oh, du fröhliche“ „Stille Nacht Heilige Nacht“. Auf dem Kaffeetisch stand das Sonntagsgeschirr, der von Inge gebackene Stollen, Gebäck und eine große Kanne Kaffee.

„Mama, kommt denn heute der Weihnachtsmann?“ „Ja, ja, der kommt.“

Schwere schlurfende Schritte waren im Flur zu hören. Inge öffnete die Wohnzimmertür: „Mensch, Weihnachtsmann endlich, wir warten schon.“

Der rote Mantel des Alten reichte bis zum Fußboden. Das Gesicht umrahmte ein weißer weicher Bart aus Watte.

Die Erwachsenen schmunzelten wissend, der große Sohn verzog spöttisch den Mund, der mittlere trat von einem Bein auf das andere.

Der Weihnachtsmann warf den Reisigbesen zu Boden, den Jutesack nahm er mit kräftigem

Schwung von der Schulter. Und nun kramte er die Geschenke hervor. Felix, der Jüngste, dachte.: Meine Güte, wie Papa, der wirft auch alles zu Boden, wenn er genervt ist. Wo ist der eigentlich? 

Die beiden Omas bekamen Pralinen, Elbflorenz stand auf der Packung und ein Parfümfläschchen, Opa Erich erhielt eine Schachtel Zigarren der Marke Medikus, Opa Karl reichte er eine Flasche Kräuterlikör über den Tisch und den beiden Jungen drückte er mit erhobenen Zeigefinger je ein größeres Paket in die Arme.

„Und du mein Kleiner wirst mir bestimmt ein Weihnachtsgedicht aufsagen.“ Felix stotterte: „Lieber guter Weihnachtsmann, sieh mich nicht so böse an!“. Unsicher geworden von dem strahlenden Blau der Augen des Alten brachte der Junge kein Wort mehr heraus. Mensch, Papa hat solche, genau solche, wieso der auch?

Vom kritischen Blick des Bengels irritiert holte der Weihnachtsmann einen nicht im Weihnachtspapier verpackten orangefarbenen sehr großen Teddy, der einen aus blauer Wolle  gestrickten Anzug trug, auf dem der Name „Svenny“ mit gelbem Strickgarn aufgestickt war, aus dem Sack. „Hier, mein Kleiner, den hast du dir doch so sehr gewünscht.“ Felix war sprachlos, Tränen rannen über das zarte Kindergesicht. „Mama, schau, der hat  gestern noch im Schaufenster  gesessen. Jeden Tag habe ich ihn gesehen. Woher hast du das gewusst, Weihnachtsmann?“

Der mit so einer unerwarteten Frage Angesprochene geriet  in Hektik, er drehte sich zur Hausfrau, fuchtelte mit der Rute, die er vom Boden aufgenommen hatte, vor ihrem Gesicht und meinte: „Und du, meine Liebe, bekommst jetzt nichts. Du musst bis heute Abend noch Geduld zeigen, haben wir uns verstanden?“ Mit diesen Worten drehte er sich hastig um die eigene Achse.

Der Alte hatte nicht mit der Länge seines Mantels gerechnet. Der Filzstiefel verhedderte sich im Saum, und nun war das Chaos nicht mehr abzuwenden. Er strauchelte, und im Fallen riss er das Tischtuch mitsamt dem Geschirr und dem leckeren Weihnachtsgebäck zu Boden.

Nun lag er hilflos, rücklings wie ein Maikäfer auf dem Teppichboden. Die Mütze war vom Kopf gefallen und tiefschwarz gelocktes Haar kam zum Vorschein. Der Bart war verrutscht  und offenbarte einen Mund, den jeder kannte.

„Oh Papa Du? Du bist der Weihnachtsmann?“ Felix warf sich auf seinen Vater und nun lagen der Alte und der Jüngste Arm in Arm flach auf dem Boden. Nach dem ersten Schreck lachten alle  schallend, sie lachten wie noch an keinem Weihnachtsabend.. So eine Bescherung gab es noch nie.  Erst in der Kirche beruhigte sich die Familie.

 

Karla Kühn

Berggartenstrasse 8

30952 Ronnenberg